Diese Seite drucken!
Diese Seite weiterempfehlen!

Unsere Themenfelder

10.04.2011 - Auf dem Feld: Kupferwerkzeug und so gut wie nie gießen – geht das?

Mit Zusatz High-Noon-Tipp für Städter: Balkongärtnern.

Unser zweites Pflanzwochenende: Herr Jaksch schlägt die Folie über den Salatpflänzchen zurück und zeigt uns, wie gut die Salatpflänzchen seit der letzten Woche angegangen sind. Sie sind bereits doppelt so groß, schauen schon jetzt kräftig aus. Er zeigt uns, wie wir rund um die Salatpflänzchen mit einer flachen Hacke unter den Blättern die Erde wegziehen und sie freimachen. Salat ist fäulnisanfällig, er soll freistehen und nicht mit den Blättern auf der Erde liegen. Er verwendet einen Kupferzieher dafür. Mit den Kupferwerkzeugen schaffen wir bei unserer Bodenbeschaffenheit noch einmal einen besonderen Effekt. Genau kann ich das nicht erklären. Ich war bevor ich aufs Feld gefahren bin beim Dehner Gartencenter in der Stadt und habe mir eine eigene Hacke gekauft. Dort habe ich den Verkäufer nach Kupfergartenwerkzeugen gefragt. Er kannte das nicht, meinte Kupfer sei doch viel zu weich, um in der Feldarbeit eingesetzt zu werden. Ich frage Herrn Jaksch danach, er erklärt, dass Kupfer durch „dingeln" (klopfen) hart gemacht wird und dass er eine harte Schneidekante „dingelt", die er immer wieder nachklopft. Ein Kupferwerkzeug wird also gepflegt. Zunächst waren mir die Werkzeuge, die wir über das Gemüselernfeld kaufen können, etwas zu teuer. Ein Kupferwerkzeug mit kurzem Stil kostet EUR 40. Aber nach meinen Vergleichstouren durch mehrere Gartencenter werde ich es nun doch kaufen. Die Industrie bietet hochkomplexe Kombigeräte an, die Materialien z. B. vom Griff langen sich überhaupt nicht gut an, sind unhandlich und mir oft zu lang. Einen Holzstil gibt es gar nicht mehr. Und die Teile sind auch nicht billig. 10 EUR für eine kleine Hacke ohne Griff...

Also ich werde mir nächste Woche das flache Ziehkupfereisen leisten. Ich weiß die fachliche Bezeichnung nicht. Weiter zur Pflege rund um die Salatpflänzchen. Wir hacken die Erde mit dieser flachen Hacke, die wie ein Schieber beim Roulette ausschaut, leicht und sehr oberflächlich durch. Dabei nehmen wir die kleinen Unkräuter gleichzeitig weg und vor allem: Wir kappen die Kapillaren, die das Wasser aus der Tiefe der Erde nach oben bringen und verdunsten lassen. Herr Jaksch gräbt an einer Stelle etwas tiefer: die Erde ist dunkel und feucht. Damit das so bleibt, kratzen wir also die obere Erdschicht leicht an, hacken sie leicht und vorsichtig durch. Die Erde ist im Moment trocken und das geht wunderbar. Wäre der Boden schwer und verdichtet, müssten wir tiefer greifen, würden dadurch aber mehr Unkrautsamen nach oben ans Licht befördern und hätten dementsprechend mehr „Unkrautdruck". Wir haben also sehr günstige Voraussetzungen für unseren Salat. Das Wetter passt und Herr Jaksch geht davon aus, dass wir in sechs Wochen den ersten Salat ernten können.

Die Kapillarrohre sind nach dem Durchhacken also unterbrochen. Die Feuchtigkeit bleibt in der Erde. Hier bei uns auf dem Lernfeld wird nämlich so gut wie nie gegossen. Die Systeme der Feldarbeit, die wir hier lernen sind ressourcen- und energieschonend – auch für unsere eigene Kraft und Energie. „Wir wollen uns nicht so viel Arbeit machen". Das geht. Manche Teilnehmer sind „alte Hasen" und schon im zweiten oder dritten Jahr mit dabei. Sie bestätigen, sie haben im letzten Pflanzjahr so gut wie nie gegossen. Wir wollen damit nicht nur Wasser sparen, sondern die Pflanzen lernen auch damit, dass sie tief wurzeln müssen um sich die Wasserversorgung selbstständig aus dem Grundwasser zu holen. Pflanzen die man zu oft gießt, machen sich die „Mühe" des tiefen Wurzelns nicht und damit brauchen sie das Gießen auch ständig.

Herr Jaksch erzählt uns als nächstes vom Weizengras, einer alten Heilpflanze, aus der ein Saft gepresst wird, der dem Körper hilft, alte Belastungen abzubauen, auch bei Strahlenbelastung hilfreich ist. Wenn wir möchten, sähen wir das jetzt an, schlägt er vor, und wenn wir es in 2-3 Wochen ernten, dann zeigt er uns auf dem Hof, wie man mit einer Graspresse den Saft gewinnt. Den Saft trinkt vorsichtig, zu Beginn maximal ein Schnapsglas pro Tag. Man soll in der Zeit sehr viel trinken. Im Frühjahr sind „Reinigungskuren" am erfolgreichsten, weil der Körper gern abgibt. Im Winter macht so etwas wenig Sinn, weil er da auf „Einlagern" programmiert ist. Weizengras kühlt auch äußerlich. Man kann es wunderbar bei Sonnenbränden auflegen. Derart informiert sähen wir mit Begeisterung nun also Weizengras, ziehen dazu eine Pflanzfurche in die vorgesehene Pflanzreihe mit der leichten Erhöhung, die alle Pflanzreihen bei uns haben, streuen aus dem Eimer großzügig die Samen ein und schieben die Erde mit den Händen wieder darüber. Das ist kinderleicht. Wir haben heute in unserer 17-Uhr-Pflanzgruppe einen 10-jährigen Jungen dabei, der mit großem Eifer und Elan mitarbeitet.

Als nächstes stecken wir Kartoffeln. Hubert zeigt uns, wie wir große Kartoffeln auch teilen können und vermehren. Er schneidet eine Kartoffel in Stücke, so viele Teile, wie die Kartoffel „Augen" hat. Er erklärt noch, dass wir Kartoffeln, die wir zum Einpflanzen hernehmen wollen, keine langen weißen Triebe haben sollten, denn die brechen zu leicht ab. Lieber die Kartoffeln, die wir nicht mehr zum essen brauchen und zum Einpflanzen hernehmen wollen, früher aus dem Sack nehmen und wo hinlegen, wo sie etwas Licht abbekommen. Dann bleiben die Triebe kurz und setzen grüne Blätter an. Die eignen sich derart vorgekeimt dann sehr gut zum einpflanzen. Das geht mit jeder Kartoffel. Welche Sorte sich gut eignet, hängt mit der Bodenbeschaffenheit ab. Wir haben hier ins Wurmsdorf sehr kiesigen Boden und da drauf wachsen die mehligen gut. Speckige Kartoffeln wachsen gut auf einem schweren, lehmigen Boden.

Ich hoffe ich habe alles richtig verstanden und wiedergegeben. Ich bin die Großstadtpflanze mit Null-Gärtner-Ahnung. Und ich will auch mehr die Freude und den Geist vermitteln, als ein botanisches Fachbuch schreiben. Ich hoffe das kommt richtig an, und die Gartenfachleute verzeihen mir, wenn ich manchmal daneben liege.

Ein wesentliches Thema, in dem wir alle gleichsam Experimentierende sind, ist Terra Preta. Mein Lieblingsthema, weil ich von Grundauf ein „Wiederverwerter" bin und sehe, dass die Erde „Futter" braucht. Das Terra Preta Thema packe ich in der kommenden Woche an. Dann pflanzen wir auf unseren Terra Preta Hügeln. Bis dahin – Mahlzeit

High-Noon-Tipp: Balkongärtnern

Hier folgen noch einige Hinweise und Tipps für Balkongärtner, zusammengetragen auf der Seite Utopia. Für alle, die Lust auf Pflanzen bekommen und zu weit von einem Pflanzfeld entfernt wohnen oder keine Zeit haben: http://www.utopia.de/magazin/mein-eigenes-gemuese-auch-ohne-garten-balkon-terrasse-fensterbrett-fensterbank-salat?all#comment-332289

Wichtig bei der Auswahl des Saatgutes: Meidet Hybride! Zu erkennen an der Kennzeichnung F1. Aus ihnen kann kein neues Saatgut gewonnen werden. Auch wenn das vielleicht nicht das Wichtigste für jede Balkongärtnerin ist - es geht ums Prinzip: Gemüse sollte fruchtbar bleiben. Bei Bingenheimer Saatzucht ist man da auf der sicheren Seite, bei anderen nicht unbedingt. Siehe auch www.bantam-mais.de

Die besten Tomatensorten im Set und viele andere hochqualitative Samen können Sie ohne großen Auswahlstress bei der Bingenheimer Saatgut AG bestellen - und das in bester Demeterqualität!

Alnatura hat übrigens gerade die Aktion "Vielfalt Erleben". Das Saatgut stammt von der Bingenheimer Saatgut AG. Auch bei dm-Drogeriemarkt erhältlich. Als Sorten werden angeboten: Kresse, Basilikum, Radieschen, Ringelblume, "Essbare Blüten", "Bienenschmaus", "Hummelglück"

hier noch eine diy-anleitung, wie man auch auf einem kleinen balkon/terrasse oder überhaupt eine reiche ernte an tomaten heranzieht: http://oldfashionedliving.com/tomato2.html

Ich ziehe schon seit Jahren erfolgreich meine eigenen Tomaten. Aus Kernen von leckeren Tomaten - einfach in die Erde stecken und nach ein paar Tagen geht es los. Sieht lustig aus, wie die kleinen Sprösschen aus der Erde drängen und dann kontinuierlich wachsen und irgendwann blühen und dann Früchte tragen.

Angebaut werden auch: Gurken, Zucchini, Kürbis, Kartoffeln, verschiedene Möhren, Erbsen (frisch aus der Schale), Radieschen, Kohlrabi, Blumenkohl, Broccoli, Rosenkohl, Romanesco, Zuckermais, Kopfsalat, Eisbergsalat, Bohnen und Kräuter... ein paar kleine Obstbäume und Blumen.

Neben verschiedensten Kräutern (Schnittlauch, Petersilie, Rosmarin, Thymian) konnte ich letztes Jahr auch Tomaten (2 verschiedene Sorten), Pflücksalat und Spinat auf meinem Balkon ernten. Mit Hängeerdbeeren habe ich es auch versucht, aber die haben sehr spät geblüht und trugen dann nur wenige Früchte, die nicht wirklich süß waren. Mein Traum ist eine kleine Pilzzucht, mal sehen, ob ich das schaffe. Und ich bin auf das Paket "Naschbalkon" www.vivanda.de/Paket-bdquo-Naschbalkon-ldquo--1790d2a602322.html gestoßen, was ich schon sehr neckisch finde - wobei Paket "Brotbackkräuter" http://www.vivanda.de/Paket-Brotbackkraeuter--1788d1a725734.html noch besser zu mir passen würde. :-)

Bekannte machen sogar Stangenbohnen auf dem Balkon in Kübeln und Kürbisse.

Das ist natürlich nicht viel mehr als ein Gag. Sieht aber sehr schön aus, wenn die Bohnen einen grünen Vorgang bilden. Feuerbohnen blühen sehr hübsch rot. Beim Kürbis darauf achten, dass es eine Sorte mit kleinen Früchten ist. Die sind in der Regel auch nicht ganz so wuchsfreudig.

Rucola, verschiedene Salatsorten und natürlich Gewürze aller Art gedeihen wunderbar auf meiner Terrasse und Balkon. Macht Spaß beim Wachsen zuzuschauen und dann ernten zu können.

In der Gruppe Permakultur findet Ihr auch eine Menge Infos zu Square foot Gardening und Anbau in Töpfen, Eimern und anderen Pflanzgefäßen.

http://www.utopia.de/gruppen/permakultur-145

Hier der direkte Link zum "Quadrat-Garten": http://www.utopia.de/gruppen/permakultur-145/diskussion/square-foot-gardening-oder-der-99114

Also ich habe ganz tolle Erfahrungen mit den neuen Pflanzsäcken von Floragard gemacht. Man kann sie super auf dem Balkon legen und in Bio-Erde Tomaten, Paprika, Sallat anpflanzen. Jetzt gibt es demnächst wohl auch so einen Sack für Erdbeeren.

Es ist super einfach, da man in den Sack pflanzt.

ich habe ihn online gekauft: http://www.samentraum.de/Beste_Erde_von_Floragard/a83c4b8d6e38ab58ee06c4b538b1c8cf/

Wir haben echt Glück, laut dem phänologischen Kalender sind wird in diesem Jahr 3 Wochen früher dran (vergleiche letztes Jahr = 2 Wochen später). In diesem Jahr werde ich wieder frisch dabei sein und habe den ersten Spinat (frisches Vitamin C) gerade ausgesaet in den Freilandkasten. Ach ja, Blumenkohl auch noch - sollte es nochmal kalt werden (unter 3 Grad Nachtemperatur), dann klappe ich einfach den Deckel zu. In diesem Jahr probiere ich noch den BioGrowBag, der kann zusätzlich noch Wasser sparen. Besonders praktisch, da ich viel unterwegs sein muss.( http://freundeskreis.mein-schoener-garten.de/project/floragardgrowbag/main.html ) -- Tolles Ding und 100 % = genau richtig für meinen Feldsalat.

Zum Thema Bio-Erde und Bio-Saatgut gibt es einen guten Film-Beitrag des WDR:

http://www.wdr.de/studio/koeln/serien/gartenzeit/2010/04/2010_04_13.html

Gute Sache. Mit Klein- und Kleinstgärten haben wir alle schon seit Jahren Erfahrungen gesammelt. Was häufig fehlt ist der Austausch, die Vernetzung und das Bilden von weiter tragenden Gemeinschaften. So können Utopien konkret werden. http://www.tthannover.de

(Seit Samstag 2.4. gibt es einen großen neuen Gemeinschaftsgarten in Hannover-Limmer. Dort sollen Erfahrungen und Wissen zusammen kommen und verfügbar gemacht werden. Soziale Permakultur im Stadtteil... in einem Alchimistengarten wird u.a. Terra Preta hergestellt, das Wissen verfügbar gemacht etc. - Grüße aus Hannover, Thomas

Andere Möglichkeit in der Großstadt wie z.B. Köln oder Kassel u.v.a.: http://www.oekolandbau.de/verbraucher/wissen/infopaket-fuer-biogaertner/gemueseselbsternte/wo-gibt-es-gemueseselbsternte/ Ein Biobauer sät, du gießt, jätest, erntest. Auch gut: www.mundraub.org mit Karte, wo verwaiste Obstbäume, Sträucher, Nüsse etc. zu finden sind.

Kommentare (Kommentar-Moderation ist aktiv. Ihr Kommentar erscheint erst nach Prüfung.)

Zurück zur Übersicht