08.05.2011 - Überlebens-Gemüse
Es herrscht Trockenheit.
Der Salat auf unseren Feldern ist ziemlich klein geblieben. Hätte es geregnet, hätten wir jetzt die erste Ernte. So dauert es ein, zwei Wochen länger. Die kleineren Salatpflanzchen haken wir heute mit unseren Kupferwerkzeugen flach durch, ziehen die Erde unter den Pflänzchen weg. Das reicht, einmal durchhaken pro Ernte.
Wir wollen uns das Leben leicht machen, nicht schwer, ist die Devise auf unserem Feld
Der Kohlrabi wird kurz abgedeckt und ebenfalls durchgehackt. Er wächst gut, ist in ein, zwei Wochen zum Ernten.
Wir säen Fenchelsamen ein. Grundsätzlich kommen gesäte Pflanzen mit der Trockenheit besser zurecht. Wahrscheinlich weil sie den Boden und die Wachstumbedingungen von Anfang an kennen.
Wir säen jetzt auch schon Wintergemüse ein: Pastinaken, Sellerie. Sellerie macht dünne Haut, ideal für den Winter. Ißt man Sellerie im Sommer, braucht man mehr Sonnencreme. Sellerie braucht viel Wasser, also gießen.
Dieses Jahr ist die Empfehlung von Hubert Jaksch, das Gemüse gut zu waschen. Die Belastung kommt von oben. Das Grundwasser ist bei uns in Ordnung, wir haben gute Quellen.
Das erste, was wir nun ernten ist das Weizengras. Am Ende unserer Feldschicht wird das auf dem Hof frisch gepresst. Alle Teilnehmer kriegen ein „Stamperl" davon. Mehr nicht. Es wirkt stark entgiftend und regenerierend, es empfiehlt sich eine dosierte Kur im Frühjahr.
Eine gute Pflanz-Kombination sind Feuerbohnen, Zuckermais und Kürbis. Die wurden unter der Woche schon mit dem Handsägerät eingesät. Alle drei sind sehr frostempfindlich, zur Not, wenn es die Woche noch einmal richtig kalt wird, deckt sie Hubert Jaksch für uns mit Folie ab.
Mit einer Pflanzenschutzfolie erzielt man folgenden Effekt: Das Kondenswasser, das sich darunter sammelt, gefriert leicht an, wenn es am Abend kalt wird und wirkt so als Schutzhülle bei Nachtfrost. Die Temperatur unter der Folie bleibt dann wie unter einer Schneedecke auf 0 Grad. Die meisten Pflanzen kommen mit Minus zwei Grad zurecht. Dann wird es kritisch.
Wir setzen samenfeste Brokolipflänzchen aus Österreich ein, eine Rarität. In Deutschland kriegt man die derzeit nicht mehr. Brokoli wird grundsätzlich tief eingepflanzt, Abstand 50 cm. Es werden große Pflanzen. Evtl. wird er abgedeckt, wenn es ganz trocken werden sollte und viele Fliegen unterwegs sind.
Blumenkohl braucht gleichmäßige Wasserversorgung. Wenn es dazu kommt, dass wir auf unseren Feldern etwas gießen müssen, dann den Blumenkohl.
Grundsätzlich ist zu sagen, optimal sind kleine Pflänzchen zum Einpflanzen, die nicht schon zu groß im Vorzieh-Kasten geworden sind.
Karotten werden an einer leicht erhobenen Stelle auf dem Feld eingesät, damit sie gut Durchzug kriegen. Die Möhrenfliege mag keinen Wind. Guter Winddurchzug kann für viele Pflanzen von Vorteil sein, er sorgt für gute Abtrocknung, wie z. B. auch bei Mangold, der pilzanfällig ist.
Wir setzen heute den ersten Winterkohl und Blaukraut ein. Die Pflänzchen werden tief in eine kleine Mulde gepflanzt, dass wenn wir gießen müssen, dann läuft das Wasser nicht so leicht weg, sondern bleibt in der Mulde stehen und kommt so besser zur Pflanze.
Wir sind mit dem Wintergemüse früh dran, gehen damit auch ins Risiko, denn die Pflanzen sind frostempfindlich. Aber wir setzen sie früh, damit sie langsam und in Ruhe wachsen können. Sie kriegen bei uns keinen zusätzlichen Wachstumsbeschleuniger durch Düngung, sondern Zeit.
Die Kartoffeln, die wir vor drei Wochen eingesetzt haben, kommen langsam. Da werden wir ab nächster Woche beginnen, eine Mulchschicht auszulegen. Vorher wird unser Bauer zwischen den Reihen noch einmal mit der Maschine durchhaken.
Auf den Terra-Preta Gemeinschaftshügeln pflanzen wir heute eine Mischung aus Sommern- und Wintergemüse ein: Lauch (Nordseite) in Nord-Südrichtung quer über den 120 Zentimeter breiten Terra Preta Hügelbeeten abwechselnd Sommer und Wintergemüse. Eine Reihe mit Zucchini, Rote Beete, Pastinaken, Radieschen, Karotten mit Zwiebeln in der gleichen Reihe, die vertragen sich gut und Möhrenfliegen mögen keine Zwiebeln...
Die Mischkultur ist so angelegt, dass wir auf dem Terra-Preta-Hügelbeeten zweimal ernten können. Wenn das Sommergemüse geerntet ist, dann ist das Wintergemüse so groß, dass es sich ausbreiten kann.
Soviel zum aktuellen (Frucht)Stand unseres Überlebensgemüses, denn im Gespräch mit meinen Mitteilnehmern, die meist sehr spannende Berufe haben, erfahre ich, dass es doch sehr vielen Teilnehmern des Gemüselernfeldes um die Kompetenz des selbstständigen Überlebens geht. Um das Wissen der Selbstversorgung. Klar, das ist neben Freude, Ausgleich, Spaß und sinnvoller Freizeitbeschäftigung in wunderbarer Landschaft und unter dem Schutz eines Biomentors mit Herz und Verstand wie unserem wunderbaren Lehrmeister Herrn Jaksch natürlich auch ein Aspekt. – Mahlzeit.
High-Noon-Buchtipp: Einmachen Obst, Gemüse, Kräuter - schonend und natürlich haltbar machen,von Margit Bühler und Anna SprengMidena Verlag Augsburg, 1998


