10.07.2011 - LAND-WIRTSCHAFT oder LAND-UNTER
Im Bayerischen gibt es ein prägnantes Wort: Das heißt "Verhau". Das ist mir sofort eingefallen, als ich unsere Felder nach den sintflutartigen Regenfällen gesehen hab. „So ein Verhau" (Unordnung, heftiges Durcheinander).
Sieben Tage nach dem Hagel-Debakel jetzt noch dieser heftige Dauerregen mit den extremsten Folgeerscheinungen: Sturzbäche ergoßen sich von den sanften Hügeln unseres wunderschönen Voralpenlands, wurden zu reißenden Flüssen und schwemmten unsere bepflanzten Felder einfach weg. - Ab in den Straßengraben, rein in den Bach, unsere gute Humuserde, ausgeschwemmt, abtransportiert auf „nimmer Wiedersehen" – zurück blieben nur die Steine. Unsere Felder sehen aus, wie eine Schotterhalde.
Jetzt waren wir doch gerade trotz Hagel allmählich wieder guter Dinge, sprachen von zweitem Frühling und Neubeginn. Es gab das hoffnungsfrohe Bild, dass unsere Pflanzen in Einzelteilchen zerlegt noch irgendwo auf dem Gelände sein müssten. Und so hatte ja auch die erste gemeinsame Feld-Begehung am Samstag gezeigt, dass sich aus dem Pflanzenbrei und Matsch, was mal unser schönes Gemüse war, hie und da bereits wieder zartes, trotziges Grün regt. Wie sehr haben wir unsere Ursaatgutpflanzen dafür wertgeschätzt.
An der Stelle bietet sich eine kurze Exkursion ins Grundsätzliche an: Eine Hybridpflanze ist eine Zuchtnutzpflanze, der für den einjährigen, besseren Ertrag die Fähigkeit abgezüchtet wird, sich fortzupflanzen und zu regenerieren. Ausführlicher könnt ihr das auf unser Homepage unter "Regionale Lebensmittel und natürliche Ernährung" nachlesen.
Wir pflanzen ausschließlich Ursaatgut auf unseren Feldern und die können beides, sich regenerieren und fortpflanzen.
Aber jetzt, erneute Bedrohung, dieses Mal noch gründlicher, vernichtender, endgültiger – die Sintflut.
Wassermassen, die alle Pflanzen, ob Hagel-Überlebende oder neu Gepflanztes und Gesäten wegreißen. Auf kleinen Erhöhungen bleibt nur noch die Steintristess. In kleineren Senken sammelt sich der Schlamm.
Also, erneutes Rumtelefonieren: Wo kriegen wir jetzt wieder neues samenfestes Saatgut her? Hinter Stuttgart gab es noch was. Ein Laster hats zu uns nach Wurmsdorf gebracht und wir haben in Sonderschichten von letztem Donnerstag bis heute wieder neue Pflänzchen eingesetzt, mit frischem Kuhmist neue Nährstoffe aufs Feld gebracht. Dafür wurden tiefere Löcher ausgehoben und diese mit dem frischen Mist gedüngt. Kräftig mußten wir mit den Werkzeugen den verdichteten Boden durchgehackt und "Luft reinbringen" und dann bestand auch die Aufgabe des Jätens. Denn die Wildpflanzen, manche nennen sie auch „Unkraut", die wissen auch, wie man sich rasch regeneriert.
Jetzt sprechen wir mit unserem Bauern und den Feldteilnehmern darüber, wie wir künftig mit den extremen Herausforderungen zwischen Trockenheit, Sintflut und Unwettern besser umgehen können. Unsere Terra Preta Hügel haben eindeutig beide Katastrophen am besten überstanden. Fazit: Alle Kraft voraus wird bei uns auf dem Hof die Produktion der Humuserde angekurbelt. Über das sinnvolle Handling von zu viel oder zu wenig Wasser auf den Feldern wird gemeinsam mit Experten neu nachgedacht. Wir berichten dann wieder von den Ergebnissen - Mahlzeit.
High-Noon-Tipp: THE BLUE ECONOMY BEWEGUNG
und noch ein schöner Beitrag über „Wirtschaft"
http://www.youtube.com/watch?v=u6XAPnuFjJc


