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Unsere Themenfelder

22.07.2011 - Sensenkurs

Wie kann man körperliches Training mit sinnvoller Betätigung verbinden?

Durch das Mähen mit der Sense.

Am letzten Donnerstag um vier startete unser 2-tägiger Sensenkurs auf dem Hof von Hubert Jaksch. Unser Kursleiter war der Biobauer und Sensenfachmann Georg Hahn aus Holzkirchen-Großhartpenning. Wir waren 8 Teilnehmer im Kurs, davon kamen 3 hier vom Gemüselernfeld Wurmsdorf, 2 Teilnehmer stammen aus der Umgebung und 3 kamen von weit her, aus dem Rheinland, aus Franken und von hinter Augsburg. Unsere Organisatorin Karin Frank hatte für die Angereisten ein Zimmer zum Übernachten besorgt.

Unseren Einstieg ins Thema „Sensen" bekamen wir über zwei beeindruckende alte Filme über die Sensenherstellung. Dabei sahen wir auch gleich, was wir anschließend selber lernen sollten, wie das mit dem Dengeln geht. „Dengeln" bedeutet, man treibt das Stahlmaterial der Sensenklinge an der Schneide mit dem Hammer durch Klopfen aus, macht es dünn und scharf wie eine Rasierklinge. So wird die Sense seit je her für die Arbeit zugerichtet.

An die Sensen trauten wir uns aber im Kurs noch lange nicht ran, wir probierten das Dengeln auf Kupferblechen aus. Denn haut man zu fest, treibt man zu viel des Stahls aus und die Schneide wellt sich. Dann hilft nur der radikale Schnitt mit der Metallschere und man fängt von vorne an. Am erfolgsversprechensten für uns als Anfänger war noch der Stoßdengler. Das ist eine runde Metallscheibe mit einer Mittelsäule und einem Bolzen, auf dem eine Hülse sitzt, unter der man das zu denglelnde Metallblatt milimeterweise durchschiebt und gleichzeitig oben auf den Bolzen mit dem Hammer schlägt. Damit hatten wir Anfänger eine gewisse Chance, nicht komplett aus der Hammerlinie zu kommen.

Schnell wurde uns klar, welch große Kunst es ist, sich die eigene Sense herzurichten. Meinen Vater habe ich am nächsten Tag danach gefragt, er hat das alles schon als Kind perfekt beherrscht, obwohl er ein Stadtkind war. Aber seine Großeltern hatten eine kleine Landwirtschaft und Dengeln und Sensen war dort in den Ferien sein Tagesgeschäft.

Im Kurs passten wir am Abend noch unsere Übungssensen für den morgigen Tag individuell auf unsere Größe an. Jeder bekam den richtigen Stil, der uns bis zur Nasenspitze ging. Dann half uns unser Lehrer Schorsch die beiden Griffe je nach Größe und Armlänge richtig anzubringen. Dazu bekamen wir eine intensive Sicherheitseinweisung. Wir trugen zum Schutz dicke Arbeitshandschuhe, denn Sensen sind große messerscharfe Rasierklingen, unsere Übungssensen hatten eine Länge von 65 bis 95 cm.

Jeder von uns montierte nach Anweisung mit gebührendem Abstand zum Nachbarn sein Sensenblatt und dann stellten wir zum Abschluss noch die Neigung der Sense ein, entsprechend der Wiese und der Grasbeschaffenheit, die morgen zu erwarten war.

Um 7 Uhr am nächsten Tag ging es weiter. Gras senst man am besten, wenn es feucht ist. Zunächst übten wir „trocken" den Bewegungsablauf. Unser Lehrer kann es perfekt und es sieht dazu sehr elegant aus. Er empfahl uns, ganz entspannt und mit Ruhe die Sache anzugehen, um den eigenen Rhythmus und das Erholsame und Meditative am Sensen zu entdecken. "Ja keinen Stress oder falschen Leistungsdruck". Schließlich sensen wir freiwillig und aus purem Spaß und nicht unter dem Existenzdruck unserer Vorfahren, möglichst schnell ein Tagwerk abmähen zu müssen.

Wir konnten dann in der Wiese erste eigene Grasschnitte üben, bekamen immer wieder individuelle wertvolle Hinweise von unserem Lehrer Schorsch, der auch immer wieder die Sense für uns scharf gemacht hat. Nach einiger Zeit kam das selber Schärfen dann als neues Lernfeld hinzu. Jeder bekam einen Schleifstein. Nach 3 Meter haben wir unsere Klingen schon bewetzt. Ich testete dann noch aus, ob ich als ursprüngliche Linkshänderin vielleicht besser mit einer Linkshänder-Sense zurecht käme. Die baute mir unser Lehrer extra zusammen. Wir arbeiteten alle sehr konzentriert und übten uns in verschiedenen Techniken. Am Ende des Vormittags hatten wir ein beachtliches Stück Wiese gemäht, Schorsch senste noch gekonnt unsere Ecken und Kanten nach. Wir wollten eine ordentlich gemähte Wiese hinterlassen. Das frisch gemähte Gras luden wir voller Stolz und auch noch darin fachgerecht unterwiesen auf einen Hänger für die Kühe am Hof auf.

Am Nachmittag fuhr ich glücklich und vollkommen müde zu meinen Eltern. Ich hatte was gelernt, was ich zuvor noch nie probiert hatte. Es braucht noch viel Übung, bis ich perfekt im Sensen bin, aber der erste Schritt ist getan und es macht mir absolut Spaß. Ich freue mich schon, wenn ich den Rasen auf dem Grundstück meiner Eltern zum ersten Mal selber sensen werde, ganz ohne Rasenmäherlärm und Benzingestank.

Georg Hahn bietet uns an, dass wir am kommenden Sonntag zum Üben zu ihm auf den Hof kommen dürfen. Er hat für seine Schüler eine Übungswiese organisiert und veranstaltet öfters Treffen und Erlebnistage. Das ist ein Super-Angebot. Ich habe mir bei ihm jetzt eine eigene Linkshänder-Sense bestellt.

Ganz neue Betätigungsfelder tun sich auf. Ich kann es allen Internet-Arbeitsbienen und Stadtmenschen nur wärmstens empfehlen: „Macht doch mal aus Spaß und Freud einen Sensenkurs." - Mahlzeit.

www.hahnHof.info - Infos auch zum Sensen-Erlebnistag am 24. Juli ab 9 Uhr.

Sensenkurse finden auch immer wieder bei Hubert Jaksch auf dem Lernhof in Wurmsdorf statt - Termine unter www.hubertjaksch.de.

Dazu passend mein High-Noon-Buchtipp heute:

ECHO DER SEELE - Von der Sehnsucht nach Geborgenheit

Autor: John O`Donohue, dtv premium Verlag.

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